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15.04.2003 - Hypothekarkredite im AK-Vergleich

Wer jetzt einen Hypothekarkredit benötigt profitiert von den niedrigen Zinsen. Die Experten der AK warnen dennoch vor bösen Überraschungen, die sich in manchen Verträgen verbergen.



Das derzeit extrem niedrige Niveau bei den Kreditzinsen bietet Häuslbauern oder Wohnungskäufern attraktive Chancen für einen Einstieg. Überhasten sollte man dennoch nichts, raten die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer, die in einem aktuellen Test das Angebot an Hypothekarkrediten bei 15 heimischen Banken unter die Lupe genommen haben. Der Grund: Die Banken verstecken ihre Spesen gerne im Kleingedruckten und zeigen sich auch sonst ziemlich zugeknöpft, wenn es darum geht, die Konsumenten in vollem Umfang über „Wirkungen und unerwünschte Wirkungen“ einer Kreditaufnahme zu informieren.

Vorsicht bei Fixzinsangeboten
So ist etwa vielen Konsumenten, denen ein Fixzinsangebot gemacht wird, oft nicht bewusst, dass sich besonders niedrige Angebote nach Ablauf der Fixzinsphase mit besonders kräftigen Zinssprüngen rächen können, wenn etwa automatisch auf einen variablen Zinssatz „gemäß Schalteraushang“ umgestellt wird. Fixzinsangebote auf ein Jahr gibt es derzeit schon ab 3,875 Prozent (Bawag, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien), bei 2 Jahren liegen sie mit 4,375 Prozent schon etwas darüber (BA-CA).

Böse Überraschungen bei Bauspardarlehen
Wer auf einen längerfristig laufenden Kredit angewiesen ist, so die AK-Experten, sollte sich lieber an ein Bauspardarlehen halten. Diese sind mit 4,1 und 4,5 Prozent zwar etwas teurer, allerdings hat man hier auch die Garantie, dass der Zinssatz nicht über 6 Prozent steigen kann. Vor unangenehmen Überraschungen ist man allerdings auch hier nicht sicher. So kritisieren etwa die Tester, dass die meisten Banken (Ausnahme S-Bausparkasse) ihre Angebote mit den derzeit gültigen, extrem niedrigen Darlehenszinssätzen über den gesamten Zeitraum durchrechnen und so beim Konsumenten die Illusion erwecken, es handle sich bei den ursprünglich kalkulierten Darlehenszinsen um fixe Beträge. Das Gegenteil ist der Fall: Es handelt es sich um variable Zinssätze, die an eine Zinsgleitklausel geknüpft sind, die bei manch einem Kreditnehmer zu bösen Überraschungen führen können.

Spesenfallen bei variablen Zinsen
Extreme Unterschiede zwischen den Banken haben die AK-Experten bei den variablen Zinsen errechnet. Relativ ersichtlich sind diese beim eigentlichen Zinssatz (zwischen 4,25 und 5,25 Prozent), wobei sich die Schere allerdings noch mehr öffnet, wenn man Bearbeitungsspesen (0 bis 2 Prozent), Kontoführungsgebühren (4 bis 8 Euro) und die Kosten für eine etwaige Kreditrestschuldversicherung (zwischen 12,3 bis 36 Euro/Monat) berücksichtigt. In einer Modellrechnung auf der Basis der erhobenen Daten tun sich da regelrechte Kostenabbgründe auf So kann Frau A. bei einem Kredit in der Höhe von 73.000 Euro mit 20 Jahren Laufzeit, einem Zinssatz von 4,25 Prozent und einer 1-prozentigen Bearbeitungsgebühr 11.112 Euro sparen im Gegensatz zu rau B., die bei dieser Kreditsummen einen Zinssatz von 5,25 Prozent und eine 2-prozentige Bearbeitungsgebühr hat.

Forderungen der Arbeiterkammer
Diese Kostenersparnis ergibt sich jedoch erst nach knallhartem Rechnen und der Berücksichtigung aller Kostenfallen, die Kreditverträge in sich bergen. Ein mühsames Unterfangen für den Durchschnittkonsumenten, der sich von einer Bank eine übersichtliche und verlässliche Darstellung dessen erwartet, was auf ihn zukommt. Die Arbeiterkammer verlangt deshalb, dass bei den Angeboten alle Spesen komplett aufgelistet und eingerechnet werden, wobei auch verschiedene Zinsszenarien für den günstigsten (fallende Zinsen) und den schlechtesten Fall (steigende Zinsen) berücksichtigt werden müssten.
Den Kreditnehmern empfehlen die Experten, sich nicht nur bei der Hausbank zu erkundigen, sondern auch weitere Angebote einzuholen. Vor Vertragsunterzeichnung sollte man sich über unklare Passagen aufklären lassen und gegebenenfalls einen Vorvertrag zur genauen Prüfung verlangen.




Weitere Infos: Die Testergebnisse im Detail